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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was ist was?


. Reimund
Fr., 16. Sep. 2005, 23:09:57
Liebe Berlingo-Gemeinde,
langsam bin ich etwas verwirrt,ich :hirnpaul: ...

Bitte helft mir,diesen Zustand zu ändern. :)

Hier ist die Rede von PÖL,Biodiesel,Raps,Speise-und was
sonst auch alles irgendwie brennt.
Aber ich verliere langsam die Übersicht :staun:

Vielleicht kann ja mal jemand die ganzen Diesel-Alternativen kurz Auflisten und die Unterschiede beschreiben.
(Hintergrund,bei uns wird an einer gelben Billig-Tanke Biodiesel
für 0.98 angeboten)naja ;)

Bitte einfach, kurz und knapp:)


LG
Reimund
Daaaanke schöön :wave:

Wiesentäler
Sa., 17. Sep. 2005, 11:46:10
Hallo Reimund,
werde mal versuchen, deine Frage zu beantworten (ohne Garantie und anspruch auf Vollständigkeit!)
Grundsätzliches: da der Eneriegehalt von Pflanzenöl und Diesel ähnlich hoch ist, kann Pflanzenöl (Abkürzung PÖL) grundsätzlich als Kraftstoff in Dieselmoteren verwendet werden. Dabei stellt sich allerdings das Problem der Viskosität: Pflanzenöl ist wesentlich zähflüssiger als Diesel.
Für dieses Problem gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten:
1. Anpassung/ Veränderung des Pflanzenöls zur Erreichung einer dem Diesel ähnlichen Viskosität.
2. Anpassung des Motors an die Viskosität des Pflanzenöls.
Zu 1.: Durch einen chemischen Prozeß (sog. Umesterung) wird das Pfanzenöl dünnflüssiger gemacht. Das Endprodukt ist dann das sog. Biodiesel. Folgender sehr vereinfachter Ablauf: Rohstoff Pflanzenöl (vorwiegend Rapsöl, sh. unten) -> Umesterung unter Energiezufuhr und Beigabe von Hilfsstoffen -> Endprodukt Biodiesel (Nebenprodukt Glycerin)
Vorteil: es kann bei vielen Motoren direkt ein Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ohne Umbaumassnahmen verwendet werden, d.h. bspw. hohe CO2- Einsparung.
Nachteil: der chem. Umbau des Pflanzenöls erfordert Energiezufuhr. Es fallen grosse Mengen Glycerin an. Durch die Umesterung verliert das Ausgangsprodukt Pflanzenöl einen Teil seines Energiegehaltes, die Motorleistung wird ca. 15 % geringer und der Verbrauch steigt. Die chem. Beschaffenheit verändert sich sehr negativ: Biodiesel ist sehr aggressiv, greift z.B. Lack oder Dichtungen im Einspritzsystem an. Deshalb geben viele Hersteller ihre Motoren nicht für den Betrieb mit Biodiesel frei, wie ja auch PSA kein Biodiesel für die HDI-Motoren erlaubt. Desweiteren ist Biodiesel wassergefährdend (Klasse 1, zum Vergleich: Diesel Klasse 2, Pflanzenöl Klasse 0), was Lagerung, Transport usw. erschwert.
Weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit von wenigen grossen Herstellern, die in grossen Fabriken zentral Biodiesel herstellen.
Zu 2.: Wenn Pflanzenöl erhitzt wird, wird es dünnflüssig und für den Einsatz als Treibstoff nutzbar. Eine Umrüstung des Motors besteht deshalb v.a. im Einsatz eines Heizelementes (über das Kühlwasser oder elektrisch), das das Pflanzenöl auf eine gewisse Temperautr vorheizt, bevor es die Einspritzpumpe erreicht. Weiterhin werden Kraftstoffleitungen mit grösserem Querschnitt und eine Vorförderpumpe eingebaut.
Vorteil: kein Energieverlust durch chem. Umbau; Motorleistung und Verbrauch praktisch gleich wie bei Dieselbetrieb; dezentrale Versorgung über Ölmühlen in der Region möglich; Lagerung ohne Auflagen möglich (nicht wassergefährdend); hohe CO2 Einsparung; es kann Pflanzenöl unterschiedlicher Herkunft verwendet werden, auch Speiseöl aus dem Supermarkt kann verwendet werden. Von der chem. Zusammensetzung eignet sich Rapsöl sehr gut, und auch die Hektarerträge beim Rapsanbau sind sehr hoch.
Nachteil: Umbaukosten; bei Verwendung von schlecht gefiltertem Öl kann Kraftstofffilter verstopfen; bei unsachgemässer Handhabung besteht die Gefahr, dass Wasser ins Motoröl gelangt (Kaltstart mit PÖL) und dessen Schmierfähigkeit verringert;es kann zu Verkokungen an den Einspritzdüsen kommen.

Da ich meinen Berlingo seit 12.000 km mit Pflanzenöl betreibe (2-Tank- System mit kleinem Dieseltank zum Spülen der Ainspritzanlage vor dem Abstellen des Motors bzw. für den Kaltstart), kann ich nur positives berichten. Das Zweitanksystem verhindert effektiv die o.g. möglichen Motorprobleme; es gibt für PÖL einen Qualitätsstandard (so was ähnliches wie eine DIN Norm), wenn nur dieses Öl getankt wird, treten keine Probleme mit dem Kraftstofffilter usw. auf; übrigens auch nicht bei Verwendung von Speiseöl aus dem Supermarkt.

So, das ist jetzt allerdings alles andere als Kurz und knapp; hier also nochmal:

PÖL: Abkürzung für Pflanzenöl
Biodiesel: chem. umgebautes Pflanzenöl (Ausgangsprodukt meist Rapsöl), um eine bessere Fließfähigkeit als Pflanzenöl zu erreichen
Rapsöl: Pflanzenöl aus der Rapspflanze hergestellt, aufgrund chem. Zusammensetzung und gutem Hektarertrag sehr gut als Kraftstoff verwendbar
Speiseöl: bspw. Salatöl aus dem Supermarkt (Rapsöl, Sonnenblumenöl); kann meist auch als Kraftstoff verwendet werden.

Hoffe geholfen zu haben

Gruß Rainer

. Reimund
Sa., 17. Sep. 2005, 12:26:18
:top: :top: :top:
Danke schön ,Rainer



LG
Reimund

Schöni
Sa., 17. Sep. 2005, 13:35:58
(Hintergrund,bei uns wird an einer gelben Billig-Tanke Biodiesel
für 0.98 angeboten)naja ;)

Das ist teuer, bei uns kost der Biodiesel 0.87!

Weiß schon jemand was genaueres über den Diesel aus Biomasse? BTL?