Sheorais
Fr., 25. Aug. 2006, 16:25:46
Hi Gemeinde,
alte Hasen werden wohl zu der folgenden Geschichte sagen, dass ihnen das bekannt ist, für mich und anderen, denen ich davon erzählt habe, war sie neu und deshalb möchte ich sie Euch auch erzählen.
In diesem Urlaub sind wir „mal“ nach Schottland gefahren. Wie so viele Male haben wir mit der Fähre von Ijmuiden bei Amsterdam nach Newcastle übergesetzt und da wir ja keine Touristen mehr sind, geht das bei uns in Newcastle dann ohne jeden Schnickschnack ab. Raus aus der Fähre, auf die linke Seite rüber, rauf auf die Piste und gib Gummi Schumi.
Nach 200 Kilometer, kurz vor Edinburgh und natürlich beim Überholen dann der Schreck. Ein unbekanntes Geräusch. Panik. Bremse rein, links reindrängeln, zwischen die, die ich überholen wollte, ich habe förmlich die Gedanken gespürt: ‚stupid german’, und nächste Ausfahrt raus und angehalten. Tja, was nu?
Ich, aufgeregt wie vor einer mündlichen Prüfung, wo diesmal der ungeliebte Lehrer die Frage stellt: "Woran krankt den nun der Berlingo?". Wie es eben immer so bei Prüfungen ist, fühlt man sich als Laie und hat noch nie etwas von irgendwas gehört. Das klare Denken ist gestört und deshalb wird geraten.
Riemenschreibe vielleicht? Motor wieder an und Hör- und Sichtprüfung gemacht, nichts auffälliges.
Also kann’s nur das Fahrwerk sein. Vorn? Unwahrscheinlich, denn das hätte man an der Lenkung gespürt.
Hinten? Also unters Auto geschaut, nichts auffälliges zu sehen. Räder können es ja nicht sein, habe ich vor 5000 km wechseln lassen und nach 1000 km nochmal auf festem Sitz geprüft. Es muß also irgend etwas sein, wovon ich keine Ahnung habe.
Nun gut, rufen wir mal den ADAC an. Nach kurzen hin und her stellt sich raus, dass unsere Position nicht eindeutig festgestellt werden kann, aber da ist ein Schild, welches auf eine Police Station hinweißt. Um die Sache zu vereinfachen habe ich dann vorgeschlagen, dorthin zu fahren und von dort noch mal anzurufen. Der ADAC gab mir dann noch auf den Weg mich von der Police Station zu melden, denn die müssten ja wissen wo wir sind.
Nach kurzer Fahrt, die einem in solchen Fällen immer wie eine Ewigkeit vorkommt, sind wir an der Police Station angekommen. Leider mussten wir feststellen, dass der Aufwand umsonst war. Die Station war nicht besetzt. An der Tür war ein Kasten befestigt auf dessen Tür stand sinngemäß: ‚Wenn man ein Problem hat, dann kann man mit diesem kostenlosen Telefon bei einer anderen Wache anrufen und sein Anliegen schildern.’. Hm, das war wohl jetzt nichts, aber daneben ist ja noch eine Fire Station. Nichts wie hin und siehe da, auch nicht besetzt. Was machen die nur wenn hier irgend etwas passiert?
Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mich dann mit dem ADAC auf die nächstgelegene Kreuzung geeinigt. Diese konnten sie auch eindeutig bestimmen und sie haben alles aufgenommen und an den AA, den Autoclub von Großbritannien, weitergeleitet. Der double A hat dann zurückgerufen und uns mitgeteilt, dass jemand in 2,5 Stunden kommen wird.
So war es dann auch. Der nette Mann hat dann auch hinten unters Auto geschaut und ihm ist auch nichts aufgefallen. Daraufhin hat er den Wagenheber aus seinem Auto geholt und als erstes mit ihm die rechte Seite unseres Autos angehoben hat. Das Rad ließ sich leicht drehen und machte keine Geräusche. Nach dem Anheben der linken Seite konnte man das Problem gleich erkennen. Alle vier Radschrauben waren lose. Ich hätte gern mein Gesicht gesehen.
„Hast du die Räder nach dem letzten Wechsel nicht kontrolliert?“, fragt mich der immer noch nette Pannenhelfer. „Doch. Wir haben vor 5000 Kilometern die Räder gewechselt und ich habe sie nach 1000 Kilometer das letzte Mal auf festen Sitz geprüft.“ Nachdem er sich das Rad noch mal angesehen hatte, sagte er dann: „War das ein Ersatzrad?“
„Ja.“
„Dann ist alles klar.“
Wie, es ist alles klar? Bei mir ist nichts klar. Während mir das so durch den Kopf ging fing er schon an, seine Feststellung zu erklären.
‚Ersatzräder setzen durch das lange liegen oft Rost an und wenn man diese dann als normales Rad einsetzt, sitzen diese auch die erste Zeit fest, bis sich der Rost löst und das Rad dadurch Spiel bekommt.’
Nach kurzem Verdauen des Gesagten fing ich schon an mich zu ärgern, dass ich nicht selbst auf den „Trick“ mit dem Wagenheber gekommen war. Der nette Helfer bemerkt wohl meinen Ärger und sagte dann: „Lieber so und den Pannendienst gerufen, als auf der A1 (das war die Autobahn von der wir runtergefahren waren) ein Rad verlieren. Das wäre kein Spaß geworden.“
Da wir uns ja schon die schlimmsten Szenarien bis hin zum Umladen unseres wie immer bis unters Dach vollgestopften Berlingo ausgemalt hatten waren wir sehr froh, dass unsere Reise in gewohnten Tempo nur mit etwas Verspätung weitergehen konnte und wir auch noch an diesem Tag unser Ziel erreicht haben.
Fazit:
Eigentlich sieht das Ersatzrad garnicht schlecht aus. Es hat zwar einige kleine Roststellen, aber die kommen immer mal vor. Jedenfalls werde ich beim nächsten Räderwechsel die Innenseiten der Felgen und die Löcher für die Schrauben gut ansehen und gegebenen Falls den Rost entfernen, auch wenn er noch so klein ist. Naja, Auto fängt eben mit A an und hört mit O auf.
Für mich habe ich, auch wenn mir etwas peinlich, aber zum Glück glimpflich, etwas dazugelernt.
Danke muß ich noch sagen:
Natürlich in erster Line müssen wir uns bei unserem netten Pannenhelfer für seine Geduld und sein freundliches und nettes Auftreten bedanken. Haben wir natürlich auch vor Ort getan. Dem ADAC und dem AA danken wir, für ihre Mühe. So wie es aussieht, hat der AA beim ADAC nichts für den Einsatz in Rechnung gestellt. Auch der ADAC hat sich später noch mal nach unserem „Wohlbefinden“ erkundigt, dass empfand ich als sehr nette.
So war das.
Liebe Grüße
Sheorais
alte Hasen werden wohl zu der folgenden Geschichte sagen, dass ihnen das bekannt ist, für mich und anderen, denen ich davon erzählt habe, war sie neu und deshalb möchte ich sie Euch auch erzählen.
In diesem Urlaub sind wir „mal“ nach Schottland gefahren. Wie so viele Male haben wir mit der Fähre von Ijmuiden bei Amsterdam nach Newcastle übergesetzt und da wir ja keine Touristen mehr sind, geht das bei uns in Newcastle dann ohne jeden Schnickschnack ab. Raus aus der Fähre, auf die linke Seite rüber, rauf auf die Piste und gib Gummi Schumi.
Nach 200 Kilometer, kurz vor Edinburgh und natürlich beim Überholen dann der Schreck. Ein unbekanntes Geräusch. Panik. Bremse rein, links reindrängeln, zwischen die, die ich überholen wollte, ich habe förmlich die Gedanken gespürt: ‚stupid german’, und nächste Ausfahrt raus und angehalten. Tja, was nu?
Ich, aufgeregt wie vor einer mündlichen Prüfung, wo diesmal der ungeliebte Lehrer die Frage stellt: "Woran krankt den nun der Berlingo?". Wie es eben immer so bei Prüfungen ist, fühlt man sich als Laie und hat noch nie etwas von irgendwas gehört. Das klare Denken ist gestört und deshalb wird geraten.
Riemenschreibe vielleicht? Motor wieder an und Hör- und Sichtprüfung gemacht, nichts auffälliges.
Also kann’s nur das Fahrwerk sein. Vorn? Unwahrscheinlich, denn das hätte man an der Lenkung gespürt.
Hinten? Also unters Auto geschaut, nichts auffälliges zu sehen. Räder können es ja nicht sein, habe ich vor 5000 km wechseln lassen und nach 1000 km nochmal auf festem Sitz geprüft. Es muß also irgend etwas sein, wovon ich keine Ahnung habe.
Nun gut, rufen wir mal den ADAC an. Nach kurzen hin und her stellt sich raus, dass unsere Position nicht eindeutig festgestellt werden kann, aber da ist ein Schild, welches auf eine Police Station hinweißt. Um die Sache zu vereinfachen habe ich dann vorgeschlagen, dorthin zu fahren und von dort noch mal anzurufen. Der ADAC gab mir dann noch auf den Weg mich von der Police Station zu melden, denn die müssten ja wissen wo wir sind.
Nach kurzer Fahrt, die einem in solchen Fällen immer wie eine Ewigkeit vorkommt, sind wir an der Police Station angekommen. Leider mussten wir feststellen, dass der Aufwand umsonst war. Die Station war nicht besetzt. An der Tür war ein Kasten befestigt auf dessen Tür stand sinngemäß: ‚Wenn man ein Problem hat, dann kann man mit diesem kostenlosen Telefon bei einer anderen Wache anrufen und sein Anliegen schildern.’. Hm, das war wohl jetzt nichts, aber daneben ist ja noch eine Fire Station. Nichts wie hin und siehe da, auch nicht besetzt. Was machen die nur wenn hier irgend etwas passiert?
Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mich dann mit dem ADAC auf die nächstgelegene Kreuzung geeinigt. Diese konnten sie auch eindeutig bestimmen und sie haben alles aufgenommen und an den AA, den Autoclub von Großbritannien, weitergeleitet. Der double A hat dann zurückgerufen und uns mitgeteilt, dass jemand in 2,5 Stunden kommen wird.
So war es dann auch. Der nette Mann hat dann auch hinten unters Auto geschaut und ihm ist auch nichts aufgefallen. Daraufhin hat er den Wagenheber aus seinem Auto geholt und als erstes mit ihm die rechte Seite unseres Autos angehoben hat. Das Rad ließ sich leicht drehen und machte keine Geräusche. Nach dem Anheben der linken Seite konnte man das Problem gleich erkennen. Alle vier Radschrauben waren lose. Ich hätte gern mein Gesicht gesehen.
„Hast du die Räder nach dem letzten Wechsel nicht kontrolliert?“, fragt mich der immer noch nette Pannenhelfer. „Doch. Wir haben vor 5000 Kilometern die Räder gewechselt und ich habe sie nach 1000 Kilometer das letzte Mal auf festen Sitz geprüft.“ Nachdem er sich das Rad noch mal angesehen hatte, sagte er dann: „War das ein Ersatzrad?“
„Ja.“
„Dann ist alles klar.“
Wie, es ist alles klar? Bei mir ist nichts klar. Während mir das so durch den Kopf ging fing er schon an, seine Feststellung zu erklären.
‚Ersatzräder setzen durch das lange liegen oft Rost an und wenn man diese dann als normales Rad einsetzt, sitzen diese auch die erste Zeit fest, bis sich der Rost löst und das Rad dadurch Spiel bekommt.’
Nach kurzem Verdauen des Gesagten fing ich schon an mich zu ärgern, dass ich nicht selbst auf den „Trick“ mit dem Wagenheber gekommen war. Der nette Helfer bemerkt wohl meinen Ärger und sagte dann: „Lieber so und den Pannendienst gerufen, als auf der A1 (das war die Autobahn von der wir runtergefahren waren) ein Rad verlieren. Das wäre kein Spaß geworden.“
Da wir uns ja schon die schlimmsten Szenarien bis hin zum Umladen unseres wie immer bis unters Dach vollgestopften Berlingo ausgemalt hatten waren wir sehr froh, dass unsere Reise in gewohnten Tempo nur mit etwas Verspätung weitergehen konnte und wir auch noch an diesem Tag unser Ziel erreicht haben.
Fazit:
Eigentlich sieht das Ersatzrad garnicht schlecht aus. Es hat zwar einige kleine Roststellen, aber die kommen immer mal vor. Jedenfalls werde ich beim nächsten Räderwechsel die Innenseiten der Felgen und die Löcher für die Schrauben gut ansehen und gegebenen Falls den Rost entfernen, auch wenn er noch so klein ist. Naja, Auto fängt eben mit A an und hört mit O auf.
Für mich habe ich, auch wenn mir etwas peinlich, aber zum Glück glimpflich, etwas dazugelernt.
Danke muß ich noch sagen:
Natürlich in erster Line müssen wir uns bei unserem netten Pannenhelfer für seine Geduld und sein freundliches und nettes Auftreten bedanken. Haben wir natürlich auch vor Ort getan. Dem ADAC und dem AA danken wir, für ihre Mühe. So wie es aussieht, hat der AA beim ADAC nichts für den Einsatz in Rechnung gestellt. Auch der ADAC hat sich später noch mal nach unserem „Wohlbefinden“ erkundigt, dass empfand ich als sehr nette.
So war das.
Liebe Grüße
Sheorais